Der Game-Boy-Advance-Klassiker The Legend of Zelda: The Minish Cap erhält mit The Minish Cap 3DS einen nativen Port für den Nintendo 3DS. Das Projekt basiert auf der Open-Source-Decompilation von The Minish Cap, Project Picori sowie dem bereits vorhandenen Dual-Screen-Android-Port.
Bei der Entwicklung kam auĂźerdem Codex zum Einsatz.
Nativer 3DS-Port mit zwei Bildschirmen
The Minish Cap 3DS wurde speziell für die Hardware des Nintendo 3DS entwickelt und bietet eine vollständige Dual-Screen-Unterstützung.
Das eigentliche Spiel wird auf dem oberen Bildschirm dargestellt, während der untere Bildschirm zusätzliche Informationen und Bedienelemente bereitstellt.
Dazu gehören unter anderem:
- Live-Karte
- Dungeon-Informationen
- Quest-Status
- Touch-Steuerung für Gegenstände
- Einstellungen und weitere Informationen
Der obere Bildschirm kann dabei mit einer nativen Auflösung von 400 × 240 Pixeln genutzt werden.
UnterstĂĽtzung fĂĽr USA- und Europa-Version
Der Port unterstützt sowohl die US-amerikanische als auch die europäische Version von The Minish Cap.
Die verwendete Region wird automatisch erkannt.
Der Entwickler empfiehlt allerdings ausdrücklich die europäische Version, da diese während der Entwicklung und beim Testen des Ports deutlich häufiger verwendet wurde.
Die europäische Version enthält außerdem mehrere Sprachen, darunter auch Englisch.
Die US-Version sollte ebenfalls funktionieren, kann sich an einigen Stellen jedoch geringfügig anders verhalten. Dadurch können unter Umständen Fehler auftreten, die bei der europäischen Version nicht vorhanden sind.
Widescreen und verschiedene Darstellungsmodi
The Minish Cap 3DS bietet mehrere Möglichkeiten, das Spiel auf dem 3DS-Bildschirm darzustellen.
Neben einem echten Widescreen-Modus stehen unter anderem folgende Optionen zur VerfĂĽgung:
- Pixel Perfect
- Scaled
- Blur
- Original-Darstellung
- Stretch-Darstellung
Damit kann die Darstellung an die persönlichen Vorlieben angepasst werden.
Verbesserungen fĂĽr den New Nintendo 3DS
Besitzer eines New Nintendo 3DS profitieren von zusätzlichen Leistungsoptimierungen.
Der Port kann unter anderem folgende Funktionen nutzen:
- 804-MHz-Modus
- L2-Cache
- Multi-Core-Rendering
- C-Stick-Turbo
- bis zu 2× bis 5× höhere Geschwindigkeit über den C-Stick
Damit kann die leistungsfähigere Hardware des New Nintendo 3DS besser ausgenutzt werden.
Optimierungen fĂĽr den alten Nintendo 3DS
Auch der ursprĂĽngliche Nintendo 3DS wird unterstĂĽtzt.
Da die Hardware deutlich weniger leistungsfähig ist, verwendet der Port hier einen speziell optimierten Renderer sowie einen ressourcenschonenderen Audiopfad.
Bei schwierigen Szenen kann die Darstellung automatisch angepasst werden.
Interessant ist dabei, dass das Spiel nicht einfach vollständig verlangsamt wird, wenn die Hardware die angestrebten 60 FPS bei der Darstellung nicht halten kann.
Stattdessen kann die Präsentation einzelne Frames überspringen, während Eingaben, Touchscreen, Audio und andere wichtige Systemprozesse weiterhin verarbeitet werden.
Dadurch soll das eigentliche Spielgefühl auch auf dem älteren 3DS möglichst flüssig bleiben.
Intelligente Dual-Screen-Verarbeitung
Auch der untere Bildschirm wurde hinsichtlich der Performance optimiert.
Statische Bereiche müssen nicht bei jedem einzelnen Frame vollständig neu gezeichnet werden. Gleichzeitig wird die Touch-Eingabe weiterhin bei jedem Engine-Tick verarbeitet.
Damit kann Rechenleistung eingespart werden, ohne die Bedienung des Touchscreens zu beeinträchtigen.
Project-Picori-Randomizer integriert
Eine besonders interessante Funktion ist die integrierte UnterstĂĽtzung fĂĽr den Project-Picori-Randomizer.
Damit kann das Spiel in einer zufällig veränderten Variante gespielt werden.
Für normale und randomisierte Spielstände werden dabei getrennte Speicherbereiche verwendet.
Dadurch besteht keine Gefahr, dass ein normaler Spielstand versehentlich durch einen Randomizer-Spielstand ĂĽberschrieben wird.
Audio und Speicherverwaltung
Der Port bietet auĂźerdem:
- natives Stereo-Audio
- zuverlässige Speicherverwaltung
- dauerhafte Speicherung der Einstellungen
- FPS- und Performance-Werkzeuge
- Diagnosefunktionen
Für die Audiowiedergabe wird allerdings eine funktionierende Nintendo-3DS-DSP-Firmware benötigt.
Sollte Homebrew-Audio nicht funktionieren, kann die DSP-Firmware ĂĽber das Luma3DS-Rosalina-MenĂĽ gesichert werden:
Miscellaneous options → Dump DSP firmware
Installation
Für die Installation wird zunächst die bereitgestellte CIA mit FBI installiert. Alternativ kann die 3DSX-Version über den Homebrew Launcher verwendet werden.
AnschlieĂźend wird auf der SD-Karte folgendes Verzeichnis angelegt:
sdmc:/3ds/The Minish Cap 3DS/
In diesen Ordner wird die eigene, rechtmäßig erworbene Game-Boy-Advance-ROM gelegt.
Die Datei muss lediglich die Endung .gba besitzen. Der eigentliche Dateiname kann frei gewählt werden.
Die ROM selbst wird nicht mit der CIA ausgeliefert und verbleibt auf der SD-Karte.
Eigene Spieldatei erforderlich
Wie bei vergleichbaren Ports wird das originale Nintendo-Spiel nicht mit dem Projekt verteilt.
Für die Nutzung wird daher eine eigene, rechtmäßig erworbene kompatible Game-Boy-Advance-ROM benötigt.
Der Entwickler stellt weder eine ROM noch extrahierte Nintendo-Spieldaten bereit.
Diagnosefunktion
FĂĽr die Fehlersuche wurde eine umfangreiche Diagnosefunktion integriert.
Bei einem Absturz, Grafikfehler oder Performanceproblem kann folgende Tastenkombination verwendet werden:
L + R + A
Der Port wird daraufhin pausiert und erstellt einen Diagnose-Dump.
Dieser enthält unter anderem:
- Screenshots
- Informationen zum Speicher
- Laufzeitinformationen
- Performance-Daten
- weitere technische Informationen
Die erzeugten Dateien werden unter folgendem Pfad gespeichert:
sdmc:/3ds/The Minish Cap 3DS/dumps/
Die Dumps können bei Fehlerberichten an den Entwickler übermittelt werden und helfen dabei, Probleme auf echter 3DS-Hardware zu analysieren.
VerfĂĽgbare Releases
Die GitHub-Releases enthalten verschiedene Varianten des Ports:
- Installierbare CIA
- 3DSX fĂĽr den Homebrew Launcher
- FBI-QR-Code
- Quellcode-Archiv
Damit stehen sowohl eine klassische Installation ĂĽber FBI als auch eine Nutzung ĂĽber den Homebrew Launcher zur VerfĂĽgung.
Fazit
Mit The Minish Cap 3DS erhält einer der beliebtesten Zelda-Titel für den Game Boy Advance eine beeindruckende native Umsetzung für den Nintendo 3DS.
Besonders die konsequente Nutzung des zweiten Bildschirms hebt den Port von einer einfachen Umsetzung ab. Karte, Dungeon-Informationen, Quest-Status und Touch-Steuerung werden sinnvoll auf dem unteren Display untergebracht.
Auch technisch wurde einiges umgesetzt. Besitzer eines New Nintendo 3DS profitieren von 804 MHz, L2-Cache, Multi-Core-Rendering und C-Stick-Turbo, während auch der ältere 3DS durch einen speziell optimierten Renderer unterstützt wird.
Die automatische Regionserkennung, mehrere Darstellungsmodi, Stereo-Audio, der integrierte Project-Picori-Randomizer und umfangreiche Diagnosefunktionen runden das Projekt ab.
Damit ist The Minish Cap 3DS ein besonders interessantes Homebrew-Projekt für alle Zelda-Fans und ein schönes Beispiel dafür, wie sich klassische GBA-Spiele an die Möglichkeiten des Nintendo 3DS anpassen lassen.
